Heiraten – das besteht zu allererst mal aus dem bürokratischen / standardisierten Akt im Standesamt. Wer sich dann einen etwas festlicheren Rahmen wünscht heiratet im Anschluss daran noch kirchlich. Bei immer mehr Paaren wird aber der Wunsch nach einer ganz persönlichen, individuellen Trauung voller Emotionen laut. Diese Paare entscheiden sich häufig für eine freie Trauung.

freie Trauung im Allgäu

Die freie Trauung

Eine freie Trauzeremonie ist vor allem eines – persönlich. Es ist eine Zeremonie, die ganz auf die Wünsche des Brautpaars abgestimmt ist. TraurednerInnen arbeiten eng mit dem Paaren zusammen um am Hochzeitstag genau die Worte zu finden, die berühren, in denen sich das Brautpaar widerfinden kann. Natürlich gibt es bei der Zeremonie auch die klassischen Rituale wie das Ja-Wort und den Ringwechsel. Ich habe für euch Mirjam Heubach von Freudenfeuer Hochzeiten befragt. Sie ist Traurednerin und Hochzeitsplanerin aus Ulm. Sie habe ich euch ja schon neulich vorgestellt.

Liebe Mirjam, zu allererst: was ist eine freie Trauung und was ist das Besondere daran?

Eine super schöne Möglichkeit für Brautpaare eine unvergessliche Hochzeitszeremonie zu feiern, ist dies im Rahmen einer freien Trauung umzusetzen. Wie der Name schon sagt, sind die Gestaltungsmöglichkeiten einer freien Trauung sehr vielseitig. Sie ist an keine Vorschriften, Regeln oder Traditionen gebunden. Im Mittelpunkt steht immer das Brautpaar mit all seiner Persönlichkeit und seiner Individualität. Der Charakter und das Wesen von Braut und Bräutigam werden in den Fokus gesetzt. Das Paar feiert mit Freunden, der Familie und allen Wegbegleitern die ganz eigene und einzigartige Trauung. Den Wünschen der Paare sind hierbei kaum Grenzen gesetzt. Der Zeitpunkt am Hochzeitstag, die Location, die Art der Zeremonie und der Rahmen, in dem die Trauung stattfinden soll, legt jedes Paar für sich fest. Hierbei gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass das Paar sich wohlfühlt, und den Rahmen wählt, der ganz und gar zu den beiden passt.

„Eine freie Trauung ist an keine Vorschriften, Regeln oder Traditionen gebunden.“

Wie entsteht so eine Traurede?

Eine Traurede besteht aus mehreren Teilen: die zentrale Rolle spielt natürlich die persönliche Geschichte des Paares, vom ersten Kennenlernen bis hin zum Trautisch. Zudem verrät jeder der beiden kleine Geschichten und Highlights über den Partner. Diese geben der Trauung immer eine ganz besonders schöne Stimmung. Auch Trauzeugen, Eltern oder Geschwister können zu Wort kommen und ihren Teil dazu beitragen. So entsteht aus persönlichen Gesprächen, Telefonaten, Texteilen und Geschichten das Herz der Traurede. Den Rahmen bildet die musikalische Begleitung, die das Paar ebenfalls ganz frei und ganz nach eigenen Wünschen auswählen kann, ganz egal ob Rock, Pop, Schlager, Punkmusik oder der große Romanik-Klassiker – Hauptsache es passt zum Brautpaar.

Neben Text und Musik können natürlich auch noch weitere Bausteine eingearbeitet werden. Zum Beispiel ein Trauritual für das Brautpaar oder auch alle Gäste, Glückwünsche von den engsten Wegbegleitern, Blumenmädchen, Ringträger oder Streublumen und Wedding Bells. Nach vielen Stunden Schreiberei, Änderungen, Ergänzungen, Korrekturlesungen, und dem letzten finalen Feinschliff steht die Traurede – jede einzelne ein ganz besonderes Unikat.

„Jede Traurede ist ein ganz besonderes Unikat“

Traurede Sabine John

Welche Vorteile bietet eine freie Trauung?

Generell ist eine freie Trauung in der Gestaltung, im Ablauf und in der Umsetzung sehr frei. Sie bedarf keiner bestimmten Form und ist auch rechtlich an keine Vorgaben gebunden. Das macht jede freie Trauung so einzigartig und individuell. Denn jedes Paar bringt seine ganz eigene Art und Vorstellung mit in die Erarbeitung der Trauung.

Auch können sich Paare ganz unabhängig von Konfession, Alter, Herkunft oder Geschlecht getraut lassen. Zudem ist die Feier an keinerlei Örtlichkeiten gebunden. Egal ob auf einer Blumenwiese, in einem Steinbruch, auf einem Heuboden oder hoch oben in den Bergen – eine freie Trauung kann man mit all seinen Gästen, überall auf der Welt feiern. Die Gäste sitzen auf Stühlen, Strohballen, auf dicken Teppichen oder auf gemütlichen Holzbänken im Rücken des Brautpaares oder auch mal rings herum um das frisch verheiratete Ehepaar. Auch kann eine freie Trauung zu jeder Tageszeit gefeiert werden: als Auftakt des Hochzeitsfestes, nach dem Dinner oder auch zum Start in den Sonnenuntergang.

Für wen ist eine freie Trauung geeignet?

Freie Trauungen – und das ist das schöne – können wirklich alle Paare genießen und sich von der Magie der Zeremonie begeistern lassen. Viele junge, moderne Paare wählen den Weg der freien Trauung. Doch auch ältere Paare, die beispielsweise die zweite Ehe feiern entdecken diese Art der Trauung für sich. Eine schöne Möglichkeit, ist es auch für Paare, die sich aufgrund unterschiedlicher Konfessionen mit der Wahl der kirchlichen Trauung schwer tun oder aufgrund von vorhergegangenen Verbindungen nicht mehr kirchlich heiraten können. Auch ein Eheerneuerungsversprechen, beispielsweise zum 25sten Hochzeitstag, kann im Rahmen einer freien Trauung super schön gefeiert werden. Jedes Paar, was sich eine ganz persönliche, einzigartige und individuelle Trauung im Kreise seiner liebsten Menschen wünscht, in einer lockern, entspannten und fröhlichen Atmosphäre, liegt bei der Wahl einer freien Trauung goldrichtig.

„Die zentrale Rolle spielt natürlich die persönliche Geschichte des Paares.“

Welche Tipps gibst du dem Paar, damit die Trauung ein unvergessliches Erlebnis wird?

Oberste Regel und das aller Wichtigste ist, dass das Paar sich super wohl fühlt und Freude an der Trauung hat! Natürlich ist jedes Paar am Hochzeitstag ganz besonders aufgeregt. Gerade deshalb ist es so wichtig, die Zeit der Trauung ganz bewusst zu erleben und die besonderen und einzigartigen Momente an der Seite seines Herzmenschen zu genießen. Es darf gelacht werden, Freudentränen sollen fließen und alle Gäste sollen mitfeiern und das Brautpaar hochleben lassen. Eine ausgelassene, glückliche und positive Stimmung wirkt sich auf die gesamte Atmosphäre aus und so wird es für alle ein unvergessliches Erlebnis. Mein Top-Tipp: bleibt Euch selbst treu, verbiegt Euch nicht um den Erwartungen anderer gerecht zu werden und gestaltet Eure Feier so, dass Ihr auch an Eurer goldenen Hochzeit noch gern daran zurückdenkt.

„Es darf gelacht werden, Freudentränen sollen fließen und alle Gäste sollen mitfeiern und das Brautpaar hochleben lassen.“

Worauf sollten Brautpaare bei der Wahl ihres Trauredners achten?

Trauredner gibt es mittlerweile jede Menge. Da sind zum einen ausgebildete Theologen, ehemalige Geistliche oder weltliche Trauredner, die Ihre Leidenschaft in der Rhetorik oder so wie ich in der Begeisterung für Hochzeiten gefunden haben. Jeder Trauredner arbeitet anders und verkörpert ein anderes Konzept. Und das ist auch gut so: so wie es viele unterschiedliche Redner gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Brautpaare. Und jedes Paar muss den Redner auswählen, der am Besten passt und die Wünsche und Vorstellungen der Brautleute optimal umsetzen kann. Meine Empfehlung: trefft Euch zu einem unverbindlichen HALLO mit Eurem Trauredner in einer entspannten Atmosphäre. Nehmt Euch Zeit, stellt Fragen und seid neugierig. Findet heraus, ob Ihr Euch wohlfühlt und Spaß daran habt, mit dem/der Redner/in Eure ganz persönlichen Geschichten zu teilen. Doch meistens merkt ihr ganz schnell, ob die Sympathie passt und wenn nix mehr hilft: einfach auf das Bauchgefühl hören.

Scheunenwirtin Trauung

Welche Rituale gibt es bei einer freien Trauung?

Ein Trauritual ist ein kleiner interaktiver Part in der Trauung, der gerne vor dem Ja-Wort und dem Eheversprechen umgesetzt wird. Hier wird das Brautpaar oder aber auch die Gäste aktiv mit eingebunden. Dies hängt natürlich auch immer ein bisschen von der Anzahl der Gäste ab. Ein Trauritual soll nochmals die tiefe Verbundenheit von Braut und Bräutigam verdeutlichen.

Schön ist es auch, wenn alle Gäste gute Wünsche, kleine Glücksbotschaften oder schöne Erinnerungen gestalten. Diese kostbaren Schätze werden beispielsweise in einer Box gesammelt, verschlossen und erst am ersten Hochzeitstag wieder geöffnet. Eine schöne Idee ist es auch einen Baum mit Erde zu pflanzen, die jeder Gast aus seinem Garten mit zur Trauung bringt. Gipsabdrücke der Hände sind ein tolles Ritual, zum Beispiel auch wenn es schon ein Kind in der Beziehung gibt.

Auch das Wärmen der Eheringe vor dem Ringtausch ist eine schöne Symbolik, alle Gäste mit einzubeziehen: die Ringe werden auf eine Kordel gefädelt, die durch die Stuhlreihen gelegt wird. Jeder Gast lässt die Ringe durch seine Hände wandern und legt gute Wünsche in die beiden hinein. So entsteht eine ganz besondere Verbindung zwischen allen Gästen und dem Paar – und natürlich ist auch jeder neugierig, wie die schönen Ringe aussehen. Sehr gerne erarbeite ich auch Traurituale, die zu einer Geschichte oder zu einem Erlebnis des Brautpaares passen. Also, seid neugierig und lass Euch überraschen, was wir Schönes für Euch zaubern.

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